Bewusster Kleiderschrank: warum du einen haben solltest und wie du einen bekommst

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Hast du auch das Gefühl, dein Kleiderschrank braucht frischen Frühlingswind? Die warmen Jahreszeiten lassen meine dicken Winterpullis wieder ganz nach hinten verschwinden. Doch wenn ich meine Frühlings- und Sommerkleidung nach vorne hole, muss ich etwas zerknirscht feststellen, dass sie auch schon bessere Zeiten erlebt hat.

Da ich schon lange keine Shopping-Exzesse mehr mache und meine Hauptquelle für „neues“ Gewand die Garderobe meiner Schwester ist (danke :-*), habe ich das Gefühl es wird wirklich Zeit für etwas Abwechslung. Da ein nachhaltiger Lebensstil das täglich getragene Gewand natürlich miteinschließt, werde ich mich bemühen einen möglichst „bewussten Kleiderschrank“ zusammenzustellen.

 

Keine Fast Fashion.

Warum ist es eigentlich so wichtig auf die Herstellung deiner Kleidung zu achten?

Andrew Morgan zeigt mit seiner Dokumentation True Cost sehr eindringlich, dass ein billiges T-Shirt für dich, ein nicht finanzierbares Leben für die Näherin bedeutet. Für ihn stellte sich vor Drehbeginn die Frage, wie wir es so weit kommen haben lassen können. Wieso haben wir so lange zugesehen oder gar nicht erst hinterfragt woher unsere Kleidung eigentlich kommt und wie das Leben des Menschen ist, der sie näht? Er hat in einem Interview gesagt, dass er die Geschichte nicht extra aufbauen musste, weil sie so ungeheuerlich ist. Die Person, die dein billiges Fast Fashion T-Shirt genäht hat, „lebt“ vermutlich in kompletter Armut unter desaströsen Umweltbedingungen.

Die vermeintlich „gesparten“ Euro stehen in keiner Relation zu den Konsequenzen, die meine Kaufentscheidung auf der anderen Seite der Welt anrichten kann. Daher ist es für mich unumgänglich meinen Beitrag zu leisten, damit meine Kleidung für Menschen und Umwelt fair und nachhaltig hergestellt wird.

 

Tipp: Wenn du dich für die Hintergründe zur Entstehung des Films interessierst, gibt es auf Intention Podcast das schon angesprochene Interview mit Andrew Morgan zum Nachhören.

 

Was ist ein „bewusster Kleiderschrank“?

Ein „bewusster Kleiderschrank“ bedeutet für mich,

  • zu nutzen, was da ist – im eigenen Kleiderschrank und bei anderen (Second Hand).
  • bei Neuanschaffungen auf sozial und ökologisch faire Herstellung zu achten.
  • zu wissen wo mein Gewand produziert wurde.
  • Ressourcenverschwendung zu vermeiden.
  • natürliche Stoffe zu bevorzugen, die im Gegensatz zu synthetischen Materialien auch wieder abgebaut werden können.
  • Kleiderstücke zu besitzen, die angenehm sitzen und auch bei täglichem Tragen Freude bereiten.

 

Qualität über Quantität.

Ich bin keine sonderliche Fashionista (Untertreibung des Jahres ^^) und weiß nie was gerade Trend ist. Doch trotz meiner Indifferenz trage ich gerne Gewand, das mir gefällt, passt und keinen Skandal auslöst.

Bei meinem letzten Umzug sind viele meiner alten Kleidungsstücke nicht mehr in meinem neuen Kleiderschrank gelandet, weil ich nichts mitnehmen wollte, was mir nicht mehr gefällt oder passt. Organischer Minimalismus, sozusagen. Momentan ziehe ich unfreiwillig eine perfekte Capsule Wardrobe an, ohne dass ich mich je bewusst dafür entschieden hätte.

Seit dieser Zeit ist mir aufgefallen, wie einfach und schnell die Kleiderauswahl in der Früh ist, wenn man sowieso nur 3 Hosen, 4 T-Shirts und 3 Blusen zur Auswahl hat. Deshalb habe ich kein Bedürfnis meinen Kleiderschrank um unzählige Stücke aufzustocken. Leider sind diese wenigen Kleidungsstücke mittlerweile auch abgetragen und passen nicht mehr richtig. Noch dazu sind sie nicht unbedingt für die warmen Jahreszeiten geeignet.

Mein Ziel ist es, qualitativ hochwertige Kleidungsstücke auszusuchen und die Stückzahl weiterhin gering zu halten.  Für die Auswahl meiner zukünftigen Einkäufe werde ich den Guide ‚15 ways to be more mindful about your wardrobe‘ auf Simply Liv and Co. zu Rate ziehen. In Kürze: less is more, buy timeless und choose clothes and colours that reflect your lifestyle. Ich nehme mal an: easier said than done… 😛

Das hat nicht nur praktische, sondern natürlich auch umweltbewusste Gründe. Kleidung mit guter Qualität, die noch dazu aus natürlichen Materialien, wie Leinen oder Baumwolle, hergestellt ist, kann ich länger anziehen und nach der langen Tragezeit und anderer Weiterverwendung, auch noch öko-freundlich recyceln oder kompostieren. Es spart mir persönlich auf lange Sicht finanzielle und der Umwelt nicht erneuerbare Ressourcen. Und nicht zu vergessen: wenn ich für ein Kleidungsstück zu Beginn mehr Geld ausgebe, kann auch die nähende Person mehr Geld zum Leben bekommen.

 

Mit Second Hand Kleidung Ressourcen schonen.

Deshalb würde ich auch allen empfehlen zuerst Second Hand Kleidung zu suchen, bevor etwas Neuproduziertes gekauft wird. Selbst wenn du altbekannte Marken aus der Fast Fashion Industrie gebraucht kaufst, kannst du damit verhindern das genaue diese Marken neue Kleidungsstücke billig und völlig unfair produzieren lassen. Besser wäre es natürlich gleich fair produzierende Marken auch auf dem Second Hand Markt zu bevorzugen, aber aus Erfahrung weiß ich, dass solche guten Stücke gar nicht so leicht zu bekommen sind.

 

Gut für die eigene Kleidung sorgen. #repair

Besonders sinnvoll ist es, die sorgsam ausgewählten Kleidungsstücke auch lange zu tragen. Sollte doch einmal etwas aufreißen oder sich auflösen, habe ich hier letzte Woche Tipps zur einfachen Reparatur für dich aufgeschrieben.

Zusätzlich ist es wichtig die Kleidung entsprechend des Materials zu waschen und zu trocknen. Das bedeutet z.B. Kleidungsstücke für die Waschmaschine auf links zu drehen (denn der hautaufliegende Stoff wird immer schmutziger sein), Wolle nicht mit 60°C zu waschen (sonst hast du perfektes Puppengewand) und erst gar nichts in den Trockner zu geben (schlecht für die Umwelt, schlecht für die Stofffasern, schlecht für dein Konto).

 

Richtig weitergeben und spenden.

Auch wenn man noch so sorgfältig beim Einkauf war, nicht alles wird man behalten wollen. Der eigene Stil wird sich über die Jahre verändern (oder man findet ihn erst gar nicht, #guilty) und auch bewusste Kaufentscheidungen können einmal daneben gehen. Daher kommt es sicher vor, dass du nicht mehr passende oder geliebte Kleidung loswerden möchtest.

Du hast die Möglichkeit die Kleidungsstücke

  • zu verkaufen (z.B. auf Kleiderkreisel oder auf Flohmärkten),
  • zu tauschen (Tauschpartys!),
  • zu verschenken (wenn sich jemand drüber freut) oder
  • zu spenden.

 

Leider wird die Kleidung aus Altkleidercontainer nur zu einem kleinen Teil wirklich weiterverkauft. Der größere Teil wird ins Ausland, vor allem nach Afrika und Südamerika, verschifft und verhindert dort das Bestehen eines eigenen Marktes.

Bevor du deine noch tragbaren Kleidungsstücke in einen Altkleidercontainer wirfst, bring sie lieber selbst zu einer sozialen Einrichtung, die tatsächlich gerade nach Kleidung sucht.

 

Nachhaltig einkaufen.

Bevor du etwas Neues kaufst, schreibe es auf und leg die Liste weg. Auf meiner Liste steht seit 2 Jahren „schwarze Weste“. Ich werde nicht vergessen, dass ich eine schwarze Weste haben will, aber ich habe bisher einfach keine passende gefunden. So eine Liste ist eine wunderbare Taktik, um Impulskäufe zu vermeiden.

Ebenso solltest du vermeiden bei Abverkäufen vorbeizuschauen. Die Hemmschwelle zum Geldausgeben ist gleich mal viel niedriger, wenn es „ach, so billig“ ist…

Wenn du dich entschieden hast, etwas Neues zu kaufen und auf der Suche nach fair produzierten Kleidungsstücken bist, kann ich dir diesen unglaublich umfassenden Fair Fashion Guide auf ‚Justine kept calm and vegan‘ empfehlen. Justine hat die endlos scheinende Liste praktisch nach Basics, Sportkleidung, Taschen usw. eingeteilt.

Wer sich noch besser über Fair Fashion informieren will, ist mit Madeleines Artikel auf ‚dariadaria.‘ Fair Fashion 101 gut bedient.  Sie hat auf ihrem Blog auch noch viele nachhaltige Marken aufgelistet.

 

Zum Schluss ein Lesetipp zum Thema ‚Slow Fashion‘: How slow fashion is saving our environment von Bobbi auf ihrem Blog ‚living life green’.

 

Wirst du deinen Kleiderschrank bewusster gestalten?

 

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