Zero Waste im Büro

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Wie lässt sich der Arbeitsalltag möglichst ohne Müll gestalten, wenn im Büro kein Fokus auf Nachhaltigkeit gelegt wird?

Als Studentin mit dem Schwerpunkt Ressourcenmanagement ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass ich auf der Uni mit mitgebrachtem Essen und Glas-Trinkflasche nicht weiter aufgefallen bin. Bei all meinen bisherigen Jobs und Praktika gab es ein Grundverständnis für nachhaltige Themen und Ressourcenschonung.

Anders in meinem jetzigen Büro. Viel weiter als „Please think before you print“ als E-Mail-Fußnote geht bei der Chefetage das Umweltbewusstsein nicht. Zum Glück sind meine Kollegen da viel besser! Ein genauerer Blick in die Büroräume zeigt, dass die Kaffeemaschine mit Fair Trade-Bohnen gefüllt ist (keine Tabs!), die Milch ein Bio-Zertifikat hat und zumindest Papier getrennt gesammelt wird. Auch wenn manche Arbeitskollegen in gekochte Eier in Plastikverpackung kaufen, bringen andere sehr wohl ihr Essen von zu Hause mit.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine ersten Wochen im Büro. An einem dieser Tage ist mein Zimmerkollege in die Küche gegangen und hat seine Reste vom vorherigen Abendessen in den Kühlschrank getragen. Oh, welch Freude, mein Mittagessen im Glas war nicht mehr alleine! Ganz begeistert strahle ich ihn an, als er zurück ins Zimmer kommt. Er schaut merklich verwirrt zurück, geht zu seiner Tasche – und packt sein in Plastik eingeschweißtes Pizzabrot aus. So close…

Ein Jahr später dreht er sich zu mir um und zeigt mir eine Schachtel Hustenzuckerl – er hat extra die gekauft, die nicht einzeln verpackt sind. So stolz!

Anstatt die Moralkeule zu schwingen und die Kollegen zu verschrecken, empfiehlt es sich mit gutem Beispiel voran zu gehen. Wenn jemand nachfragt, kann man die Motivation für ein verpackungsfreies Leben immer noch erklären. Und der eine oder die andere findet vielleicht sogar ein bisschen Gefallen daran.

 

Damit du deinen Büroalltag nachhaltiger gestalten kannst, hier ein paar Tipps:

 

Kaffee und Tee

Keine Wegwerfbecher.

Der erste Gang am Morgen führt viele in die Kaffeeküche. Schau darauf, dass du eine Tasse verwendest, die gewaschen und wiederverwendet werden kann. Gibt es keine vor Ort, dann bring‘ doch deine eigene Tasse mit.

Coffee-To-Go.

Falls du deinen Kaffee schon auf dem Weg in die Arbeit holst, vergiss deinen eigenen Thermobecher nicht. Spart sinnlose Wegwerf-Becher!

Keine Aluminiumkapseln.

Wenn es bei dir nur eine Kaffeemaschine mit Aluminiumkapseln gibt, überlege ob eine der hier vorgestellten Alternativen zum Kaffeemachen an deinem Arbeitsplatz möglich ist. Für guten Kaffee aus der French Press braucht man de facto nur heißes Wasser – und Fair Trade oder Direct Trade Kaffee 😉

Tee kochen.

Du trinkst lieber Tee? Ein Wasserkocher ist schnell gefunden und mit deiner eigenen Kanne bist du den ganzen Tag Tee-autark. Alles was du benötigst ist ein Stromanschluss, ein Wasserhahn und (am besten losen) Tee.

 

Papierloses Büro

Go digital.

Druck nur aus, was wirklich notwendig ist! Fehldrucke und nicht mehr benötigte Ausdrucke kann man super für To-Do-Listen oder sonstige Notizen wiederverwenden.

Sparsam drucken.

Wenn dir vom vielen Bildschirmstarren die Augen wehtun, druck die Dokumente vorwiegend doppelseitig, in Graustufen und mit der Einstellung „Toner sparen“ aus. Toner können auch wieder befüllt werden, falls du noch einen Schritt weiter gehen willst.

Scannen.

Bevor du unzählige Kopien machst, scanne die Seiten ein und verschicke sie per Mail. Nicht alle werden Ausdrucke brauchen.

Apps.

Es gibt unzählige Apps, die einem den organisatorischen Alltag erleichtern – ich verwende bloß keine. Statt Termine in meinem Handy einzuspeichern, habe ich einen Kalender aus Papier mit dabei (Ein guter Plan). Tägliche To-Do-Listen und Wochenpläne schreibe ich auf Fehldrucke. Aber ich empfehle Dokumente auf Plattformen zu teilen, bevor man alles ausdruckt und sei es nur ein internes Netzwerk oder Google Drive.

Langlebige Büromaterialien.

Falls du ein Mitspracherecht bei der Beschaffung der Büromaterialien hast, entscheide dich für die nachhaltige Variante. Verwende den selben Stift bis er aufgebraucht ist, damit er nicht austrocknet. Überlege, ob du wirklich eine Klammerlmaschine brauchst oder ob es auch mit normalen Büroklammern gehen würde. Vielleicht werden auch anstatt Plastikfolien akzeptiert und für den Drucker Recyclingpapier. Es wird dir vermutlich nicht der Kopf abgerissen werden, wenn du kleine Änderungen vorschlägst.

 

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Mittagessen & Nachmittagssnacks

Zero Waste.

Wir haben seit kurzem zwei Hunde im Büro, die eine riesige Freude daran haben Mülleimer umzustürzen und zu durchwühlen. Welcher Mülleimer ist noch nie umgeschmissen worden, weil nichts Interessantes zu finden ist? Richtig, meiner. Der ist nämlich leer. Im Laufe eines Arbeitstages landen vor allem Essensverpackungen und -reste im Müll. Wenn man alles ohne Verpackung kauft, gibt es diesen Abfall natürlich nicht mehr.

Essen mitbringen.

Eigenes Essen von zu Hause mit zu bringen ist nicht jedermanns Sache. Zwar kostet es vorab Vorbereitungszeit, aber in Summe weniger Geld. Noch dazu ist es meist gesünder und reduziert die Menge an Lebensmittelabfällen. Ideen für Rezepte und Verpackungsmöglichkeiten hat Kathryn von Going Zero Waste schöne aufgelistet.

Pro Tip: wenn biologische Abfälle anfallen und es keine Möglichkeit zum Kompostieren bei dir in der Nähe vom Büro gibt, könntest du die Reste mit nach Hause nehmen und dort entsorgen (Office-Geek-Stempel inklusive :P).

Take-Away und Essensbestellungen.

Wenn Essen bestellt wird, reduzieren Sammelaufträge Müll und Transportaufwand. Meine Kollegen bestellen oft bei einem Bio-Lieferanten, doch das Essen kommt in Plastikboxen. Falls das Lokal in der Nähe ist, würde es sich anbieten abwechselnd selber das Essen zu holen und die eigenen Gefäße mitzubringen. Wenn du einfach nur schnell in den nächsten Supermarkt gehst, kannst du trotzdem deine eigenen Dosen und Sackerl mitnehmen. Fragen kostet nichts und vor allem in kleinen Geschäften geben sie dir das Essen sehr gerne in dein eigenes Aufbewahrungsgeschirr.

Für Zwischendurch.

Obst und Gemüse kommt netterweise schon in der eigenen Verpackung – waschen reicht. Kleine Knabbereien kannst du in Gläsern von zu Hause mitnehmen. Trockenfrüchte und Nüsse kann man auf Märkten, in kleinen türkischen Geschäften und auch bei Denn’s ohne Verpackung kaufen. Süßigkeiten gibt es nicht nur auf Bahnhöfen lose. Hier empfiehlt es sich einmal auf der Zero Waste Austria Homepage oder Facebook-Seite für Wien vorbei zu schauen.

 

Hände trocknen

Nach dem Hände waschen greift man automatisch zum Papierhandtuchspender – zumindest geht es mir so. Wenn du in einem kleinen Büro arbeitest, kannst du vielleicht richtige Handtücher auflegen. Oder du verwendest dein mitgebrachtes Stofftaschentuch. Im Notfall tut es dann auch mal die Hose. Das ist jedoch eher unpraktisch bei Anzügen und schönen Kleidern…

 

Das kleine Öko 1×1 im Büro

Altbekannt, aber nicht zur vergessen, um nicht nur Zero Waste, sondern auch möglichst nachhaltig den Büroalltag zu leben:

Heizung runter drehen.

Die Chance ist groß, dass dir im stressigen Arbeitsalltag schnell mal zu heiß wird, deswegen kann man die Heizung ruhig mal ein bisschen runter drehen.

Richtig lüften.

Damit die schöne Wärme nicht entweicht, stoßlüften statt kippen. Mit so ein bisschen frischer Luft denkt es sich auch viel leichter.

Elektrische Geräte ausschalten.

Sobald die Aussicht auf Feierabend da ist, vergesse ich gerne einmal entweder das Licht, den Monitor, den Drucker oder den Computer am Abend auszuschalten. Bis sich die Gewohnheit eingestellt hat, schreibe ich mir eine Erinnerung, damit ich nicht ständig etwas vergesse abzudrehen.

 

Wenn du motiviert bist und viel mitentscheiden kannst, dann lies doch mal hier nach, wie ein richtiges Zero Waste Büro eingerichtet werden kann.

 

Wie sparst du Abfälle im Büro? Auf welche nachhaltigen Gewohnheiten achtest du?

 

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